Blick zurück auf die erste Velotour am 1. Mai 2002
Impressionen eines Radlers beim Jedermannrennen
von Günther Kulessa
Der Wecker klingelt um 6 Uhr 30, der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes, stark
bewölkt und Regen. Auf dem Balkon fliegt einem fast das Blech weg. Was mache ich denn
jetzt ? 6 Uhr 40, ich fahre auf jeden Fall, bei jedem Wetter. Was ziehe ich an ? Ach ich lade
erst einmal das Fahrrad ins Auto. Der Regen wird stärker. Mein Frühstück, Haferflocken, mit
Kakao und eingeschnittenen Apfel. 7 Uhr 20, was ziehe ich an ? Eigentlich wollte ich in kurz
fahren, draußen ist es 8 Grad, ich fahre in lang. Massage der Beine mit wärmenden Öl. 8
Uhr, Abfahrt zur Eissporthalle, unterwegs lässt der Regen etwas nach , das
Außenthermometer zeigt mir 10 Grad an. Die Stimmung steigt etwas. Die Musik ist gut.
8 Uhr 15, am Start angekommen immer noch Regen, das Fahrrad zusammengebaut und
gleich zur Startaufstellung gespurtet. Hoffentlich gibt es keine Stürze unterwegs. Schön wäre
es jetzt schon durchs Ziel zu fahren. 9 Uhr 05, es geht los Richtung Binding Brauerei, 7 km,
langsame Fahrt, am Ende der Ostparkstraße die ersten Straßenbahnschienen, aufpassen,
und schon liegt der Erste, und immer wieder Straßenbahnschienen, man kennt das Problem,
kann so langsam und vorsichtig fahren wie man will, irgendwann erwischt es einen, und da in
der Mörfelder Landstraße wieder zwei Fahrer. 9 Uhr 30 kommen wir in der Darmstädter
Landstraße an, bis 9 Uhr 50 stehen wir dort im Regen bis es dann zur Startaufstellung geht.
10 Uhr fällt der Startschuss, die Neutralisation geht weiter bis in die Höchster Farbenstraße,
16 km langsame Fahrt. Eigentlich müsste ich mal, aber wie. 10 Uhr 40 kommen wir in der
Farbenstraße an , es regnet nicht mehr, 13 Grad, dunkle Wolken über dem Taunus, Zeit zum
Umziehen und für sonstige Geschäfte. Und ich fahre doch in kurz. Um 10 Uhr 50 fällt der
eigentlich Startschuss, das Rennen über 80,9 km ist eröffnet. Beschleunigen, bremsen,
beschleunigen, bremsen und das ständig, Positionskämpfe, noch ca. 30 Fahrer bis zur
Spitze, wir fahren zwischen 35 und 50 km/h, geiles Gefühl im Pulk zu fahren. 11 Uhr und wir
sind schon in Hofheim, steile Abfahrt Richtung S-Bahn, und Kurven rechts, links, rechts.
Die vorderen Fahrer sind zu schnell. Vorne Vollbremsung zack, zack, zack, ruckzuck liegen
10 Fahrer auf der Straße, wie komme ich da vorbei ohne jemanden zu verletzen und nicht
selbst zu stürzen. Voll in die Eisen, gerade noch mal geschafft, dachte ich, dann reißt mich
von hinten ein Fahrer um, keine Chance. Nun sitze ich mit auf der Straße, mein erster
Gedanke, ist mein Fahrrad in Ordnung. Es dreht sich noch alles, das Rennen ist aus, der
linke Oberschenkel schmerzt, der linke Unterarm blutet stark. Ach ich fahr weiter, rauf auf´s
Rad und Gas geben. Wie groß ist der Rückstand ? Die Spitze krieg ich nicht mehr, die
Spitze krieg ich noch, so schnell bin ich noch nie Richtung Eppstein unterwegs gewesen.
Der Oberschenkel schmerzt nicht mehr, die Blutung hat nachgelassen.
Leichter Anstieg, du kriegst die Motten, die Spitze ist in Sicht. Kurz vor Eppstein bin ich
wieder dabei. Vockenhausen, Ehlhalten, dann die erste größere Steigung und abgeplatzt und
tschüss. Jetzt geht´s richtig in den Taunus, bleib ich im Zeitlimit ? Der Tritt wird schwer
Heftrich, Kröftel, Glashütten, überholen und überholt werden heißt die Devise. Der Weg nach
Frankfurt ist noch lang, ruhig bleiben. Die Verpflegungsstelle bleibt links liegen, Abfahrt nach
Schloßborn, 11 % und dann die letzte Steigung, den Ruppertshainer hoch, die Kurbel dreht
sich kaum noch. Nach 42 km ist dies auch geschafft, jetzt rollt´s bis Frankfurt. In einer
Dreiergruppe geht es Berg ab, schnell ist die nächste Gruppe eingeholt, binnen kurzer Zeit
sind wir ca. 20 Mann (und Frau).
Kelkheim, Sossenheim, Rödelheim, wir fliegen, auf der Rosa-Luxenburg bremst uns der
Wind ein wenig, noch wenige km bis zum Ziel. Am Schaumainkai noch mal tierisches
Kopfsteinpflaster und geschafft, wir sind am Ziel an der Binding Brauerei. Jetzt bleibt Zeit
sich verarzten zu lassen.
Neben der Skoda Velotour ist ein weiteres Saison-Highlight für mich Mailand - San Remo.
Informationen hier: