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Interview mit Rolf Aldag |
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"Das ist hier nicht Tralala" |
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Herr Aldag, das war ...
... absolut enttäuschend für uns. Wir haben das Rennen innerhalb von nur fünf Minuten verloren. Tony Martin war vorne dabei, verbremst sich, fällt zum wiederholten Mal in dieser Saison hin. Da war das Rennen für uns vorbei.
Wie konnte das passieren?
Tony war einfach übermotiviert, er wollte unbedingt vorne dabei sein und nahm größeres Risiko. Glücklicherweise ist er nicht in die Mauer gefahren. Wir sind froh, dass ihm nichts passiert ist. Aber er lag auf dem Asphalt, das Rad war kaputt, und bis wir bei ihm waren, war alles zu spät. Vorne haben sie natürlich nicht auf ihn gewartet.
Es waren aber noch gut 90 Kilometer zu fahren.
Die Mannschaft war verunsichert. Sollte sie jetzt auf Tony warten oder nicht? Fakt ist aber, wir müssen einen Fahrer in der Spitzengruppe dabeihaben. Die Leistung hat einfach nicht gestimmt. Das war auch kein Pech. Wir hatten fünf Mann zusammen und waren nur eine Minute hinter dieser 28-Mann-Gruppe. Da müssen wir einfach fahren und versuchen, André Greipel heranzubringen. So schnell darf man nicht aufgeben.
Haben Sie den Fahren schon die Leviten gelesen?
Natürlich habe ich das. Es fehlt den Fahrern einfach der Wille. Man darf die Flinte so schnell nicht ins Korn werfen. Solche Situationen kann es auch beim Giro oder der Tour geben. Es war für einige ein Heimrennen, da verlange ich, dass sie auch so agieren. Zu T-Mobile-Zeiten hätte es das nicht gegeben. Da wären wir hingefahren. Greipel hätte als Kapitän die Order ausgeben müssen, hinterherzufahren.
Hat er aber nicht. Warum eigentlich nicht?
Er hat nach dem Rennen gesagt, "die hätten uns dann am Mamolshainer Berg wieder abgehängt". Aber dann hätten wir ihn auf den letzten 30 Kilometer eben wieder rangefahren. Denn eine Gruppe von 28 Fahrern läuft nicht perfekt. Die kannst du einholen. Das war gedanklich zu früh aufgegeben. So etwas darf dir in Frankfurt nicht passieren. Das ist hier nicht Tralala, sondern ein sehr wichtiges Rennen und der Abschluss der Klassikersaison. Nächstes Jahr müssen wir das zur Chefsache machen.
Soll heißen: zu Ihrer Sache machen?
Ich meine die Rennfahrer. Ich hatte am 1. Mai auch nicht gerade einen Glückstag. Ich habe mir einen Magen-Darm-Virus eingefangen und hing während des Rennens über einer Plastiktüte. Als Tony hinfiel, bin ich nicht mal ausgestiegen.
Da kam ja wirklich alles zusammen.
Das soll keine Entschuldigung sein, aber da kommst du als Sportlicher Leiter auch in eine Situation, in der dir gerade alles egal ist. Ich hatte dann auch nicht die Kraft und Motivation zum Mikrofon zu greifen und die Fahrer runterzuputzen. Wie gesagt, den Kopf zwischen den Knien zu haben, ist nicht wirklich lustig.
Interview: Jörg Hanau |
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