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Rund um den Finanzplatz Eschborn
Fabian Wegmann pokert und gewinnt alles
Fabian Wegmann hat beim Radklassiker Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt seinen Sieg aus dem Vorjahr wiederholt. Nach perfekter Vorbereitung seiner Milram-Teamkollegen Niki Terpstra und Christian Knees hatte der 29 Jahre alte Freiburger nach 201,7 schweren Kilometern bei der Sprintankunft einer 28 Fahrer starken Spitzengruppe an der Alten Oper im Herzen Frankfurts die meisten Kraftreserven und setzte sich vor den beiden Belgiern Geert Verheyen und Bert Scheirlinckx vom Landbouwkrediet-Team durch.

Vierter wurde der Italiener Marcato Marcato (Vacansoleil), Fünfter dessen Landsmann Luca Mazzanti vom hoch gehandelten Katjuscha-Team. Platz sechs ging an den Franzosen Guillaume Levarlet (Saur – Sojasun). Der Berliner Simon Geschke (Skil-Shimano) wurde wie im vergangenen Jahr nach bravouröser Vorstellung Zehnter und war damit zweitbester deutscher Fahrer hinter dem strahlenden Milram-Kapitän, der nach einem Schlüsselbeinbruch rechtzeitig zu seinen Saisonhöhepunkten wieder in Topform gekommen ist.

„Das war wie eine große Befreiung für mich heute. Ich hatte in dieser Saison so viel Pech und gewinne jetzt erneut mein Lieblingsrennen“, jubelte Wegmann nach seinem ersten Saisonsieg. „Das war ein hartes Stück Arbeit. Auf den letzten 25 Kilometern gab es extrem viele Attacken. Ich habe alles auf den Sprint gesetzt, den mir Niki und Christian perfekt angezogen haben. Das Team hat eine famose Leistung gezeigt.“

Als hartnäckigste Konkurrenten des deutschen ProTour-Teams erwiesen sich neben den Belgiern von Landbouwkrediet und Topsport Vlaanderen die französische Saur-Sojasun-Equipe, das niederändische Vacansoleil- sowie das russische Katjuscha-Team. Jede dieser Mannschaften war mit mehreren Fahrern in der entscheidenden Spitzengruppe vertreten. Eine beeindruckende Leistung zeigte auch das deutsche NetApp-Team, das mit drei Fahrern vorne mitmischte und mit Alexander Gottfried (16.) und Andreas Schillinger (17.) unter den besten 20 platzieren konnte.

Mit einer großen Enttäuschung endete der Tag der Arbeit dagegen für das US-Team HTC-Columbia, das mit Sprinter André Greipel und dem mittlerweile in der Schweiz lebenden Eschborner Tony Martin gleich zwei Topfavoriten am Start hatte. Doch Greipel wurde nach den angekündigten Milram-Attacken im Taunus abgeschüttelt. Und Tony Martin, der zu diesem Zeitpunkt aussichtsreich im Rennen lag, stürzte in einer Kurve bei der ersten Durchfahrt in Kronberg. Der 25-Jährige konnte das Rennen zwar fortsetzen, fiel aber in das große Feld zurück, das aus dem Rennen genommen wurde musste, als es auf die drei Schlussrunden durch Frankfurt ging.

Zuvor hatten die rund eine Million Zuschauer entlang der Strecke die erwarteten spannenden Positionskämpfe zwischen Ausreißern und Verfolgern erlebt. Bereits bei Kilometer neun bildete sich bei zunächst leichtem Regen eine erste Spitzengruppe. Dabei gingen die kleinen deutschen Teams in die Offensive. Dirk Müller (Nutrixxion Sparkasse), Ralf Matzka (Heizomat), Frank Wagner (Seven Stones), Timon Seubert (NetApp), Johannes Kahra (LKT-Team Brandenburg) fuhren gemeinsam mit dem Österreicher Josef Benetseder (Vorarlberg-Corratec) einen Vorsprung von bis zu vier Minuten heraus. Aber noch vor Halbzeit des Rennens änderte sich die Szenerie an der Spitze. Nach der Bergwertung in Eppstein zeigten sich unter anderem Martin, Paul Voß (Milram) und der starke Niederländer Bram Tankink (Rabobank) ganz vorne. Schnell schlossen weitere Fahrer auf, so dass die Gruppe auf rund 20 Mann anwuchs.

Während sich der Italiener Matteo Carrara (Vacansoleil), Siebter des Vorjahrs, im Anstieg zur Billtalhöhe aus der neuen Spitzengruppe absetzte, wurden bei den Verfolgern die Karten neu gemischt – und Columbia stand mit leeren Händen da, während Milram für seine ständige Tempoarbeit belohnt wurde und mit Wegmann, Knees und dem aufopferungsvoll kämpfenden Terpstra in der 25 Mann starken Gruppe vertreten war. Die jagte schließlich die mittlerweile dreiköpfigen Spitze, nachdem Carrara vom Russen Evgeni Petrov (Katjuscha) und dann noch vom Franzosen Jerome Coppel (Saur-Sojasun) Unterstützung erhalte hatte.

Rund 16 Kilometer vor dem Ziel war das Spitzentrio aber wieder gestellt, woraufhin es sofort zu weiteren Attacken kam. Wegmann und seine beiden Helfer hielten sich lange zurück und überließen der Konkurrenz den Großteil der Verfolgungsarbeit. Auf den letzten drei Kilometern waren die drei Milram-Profis aber plötzlich da, bildeten einen kleinen Zug und ließen niemand mehr an sich vorbeiziehen.

Auf den letzten 400 Metern ging Wegmann dann selbst nach vorn und siegte nach einem grandiosen Schlussspurt. „Ich habe gepokert, weil ich wusste, dass durch die letzte Schikane keine zwei Fahrer nebeneinander passen und man vorne sein musste. Die letzten Meter habe ich nichts mehr gesehen“, schilderte Wegmann das Finale. „Deshalb habe ich auch nicht gejubelt, als ich über die Ziellinie fuhr. Ich wusste nicht, ob da noch einer kommt.“ Es kam keiner mehr, so dass der gebürtige Münsteraner seinen zweiten Sieg in Folge beim bedeutendsten deutschen Eintagesrennen feiern konnte.
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