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Der lang ersehnte Triumph beim Eschborn-Frankfurt City Loop
Ein Tag der Tränen und der Freude für das Team Milram
Fabian Wegmann wollte speziell dieses Rennen einmal gewinnen
Ergebnisse

Starterliste


Von Jörg Hanau - Die Tränen flossen. Überwältigt von den eigenen Gefühlen fiel Fabian Wegmann seinem Kollegen Linus Gerdemann in die Arme. Es war geschafft. Team Milram hatte den ersehnten Sieg beim Eschborn-Frankfurt City Loop eingefahren. „Es bedeutet mir so viel“, sagte Wegmann, „es war immer ein absoluter Traum von mir, hier mal zu gewinnen.“ Nach 190,8 Kilometer durch den Taunus entschied eine Fahrradlänge zu Gunsten des 28 Jahre alten deutschen Meisters aus Freiburg, der im Schlusssprint Vorjahressieger Karsten Kroon aus den Niederlanden keine Chance ließ.

Die letzten Meter auf der ansteigenden Zielgerade der Altenhöfer Allee im neuen Frankfurter Stadtteil Riedberg waren ein Katz-und-Maus-Spiel. Die beiden Ausreißer belauerten sich. „Ich wusste, ich habe nur dann eine Chance, wenn wir einen kurzen Sprint fahren“, sagte Wegmann, an dessen Hinterrad Kroon auf seine Chance lauerte. 150 Meter vor dem Zielstrich trat der Profi aus dem dänischen Team Saxo Bank an – und war doch chancenlos gegen den an diesem Tag entfesselt fahrenden Wegmann. „Dieser kurze, explosive Sprint war ganz nach meinem Geschmack. Einen längeren hätte ich sicher nicht gewonnen“, sagte der zehnte deutsche Sieger in der Geschichte des unter neuem Namen fortgesetzten Frankfurter Traditionsrennens.

Wie kleine Kinder tollten die Milram-Profis nach dem Rennen auf dem Asphalt herum. „Das war heute die richtige Antwort“, konterte Linus Gerdemann Kritik, die neu zusammengestellte Mannschaft harmoniere nicht. Wegmanns Triumph war der dritte Saisonerfolg des einzig verbliebenen deutschen ProTour-Teams. „Dieses für uns nicht so toll gelaufene Frühjahr mit einem Sieg und dann auch noch in Deutschland abzuschließen ist das Größte“, sagte der sichtlich mitgenommene Milram-Teammanger Gerry van Gerwen. Christian Knees fuhr als Dritter aufs Podium, was die Dominanz der Fahrer im blau-weißen Kuhflecken-Trikot unterstrich.

Gerdemann hatte eine „hundertprozentige Schinderei“ angekündigt und seinen markigen Worten im Taunus Taten folgen lassen. Der Feldberg war gerade passiert, als der Deutschland-Tour-Sieger 2008 den ersten ernst zu nehmenden Ausreißversuch unternahm. Ein Fingerzeig. „Wir werden nichts dem Zufall überlassen“, hatte van Gerwen angekündigt. Milram kontrollierte das Geschehen und versuchte immer wieder, das Feld durch Tempoverschärfungen auseinanderzureißen. Daran änderte sich auch nichts, als Gerdemann und seine drei Begleiter wieder vom Hauptfeld geschluckt wurden und der Niederländer Piet Rooijakers (Skil-Shimano) sein Heil in der Flucht suchte. Quasi nur auf Sichtweite ließen ihn die Milchmänner ziehen, ständig kontrolliert von Wegmann und Knees.

Die beiden Milram-Profis gehörten dann auch zur siebenköpfigen Gruppe um Kroon, die sich nach der letzten Kletterpartie auf der bis zu 22 Prozent steilen Rampe am Mammolshainer Berg einen entscheidenden Vorsprung herausfahren konnte. Mit 32 Sekunden bogen die sieben Fahrer auf den 4,4 Kilometer langen Rundkurs am Riedberg ein, der dreimal zu absolvieren war. Am Ende der ersten Runde reichten Wegmann und Kroon dann ein paar kräftige Tritte in die Pedale, um sich abzusetzen. Das Happy End blieb Wegmann vorbehalten, dessen Überlegenheit Kroon neidlos anerkannte. „Ich hatte keine Chance. Fabian war einfach zu stark“, fand der zweimalige Henninger-Sieger.

Ob sich der Tag der Arbeit auch für Rennveranstalter Bernd Moos-Achenbach gelohnt hat, weiß der Sulzbacher noch nicht. „Wir hoffen, finanziell mit einem blauen Auge davonzukommen“, sagte Moos-Achenbach. Sein Etat von 500 000 Euro ist nur gedeckt, „wenn alle Sponsoren ihre Zusagen auch wirklich einhalten“. Ob das Nachfolgerennen von Rund um den Henninger-Turm unter neuem Namen eine dauerhafte Zukunft besitzt und es in einem Jahr die 49. Auflage des Frühjahrsklassikers geben wird, hängt nicht nur von den städtischen Geldgebern Eschborn und Frankfurt ab. Moos-Achenbach übt sich in Zuversicht: „Am 2. Mai beginnen für uns die Vorbereitungen für den 1. Mai.“

(Frankfurter Rundschau vom 2. Mai 2009)
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